Donnerstag, 2. Dezember 2010

Der Drache

Drache kehrt heim ins Kinderzimmer

ThaliaTheater spielt Jewgeni Schwarz' Kultstück "Der Drache" mal für die Jüngsten - Es funktioniert trotzdem

Von  DETLEF FÄRBER

Halle/MZ.
Eigentlich weiß man ja als Drache, wo man hingehört: Ins Kinderzimmer nämlich, in die Phantasie der Jüngsten und damit im Theater natürlich auch auf die Märchenbühne. Ganz anders war das einst in einem Märchenland namens DDR, wo erwachsene Menschen einander ununterbrochen Märchen erzählten, die nicht wenige für Realitäten hielten.
...
In den Jahren nach der Wende hatte der Drache im Theater logischerweise meist Pause. Und so ist das, was es gestern im halleschen Thalia Premiere hatte, so etwas wie die Heimkehr des Drachen ins Kinderzimmer. In einer gleichermaßen witzigen wie poetischen Stückfassung und Inszenierung (Jan Baake) konnten Axel Gärtner als opportunistischer Bürgermeister, Enrico Petters als charmanter Drache und Berndt Stichler als bürgerrechtsbewegter Drachentöter ihrem jeweiligen komödiantischen Affen kräftig Zucker geben.

Die Story - auf zwei Dreiecksgeschichten mit einer nur als Puppe präsenten Jungfrau verknappt - ist ein reizvolles Duell im Thalia:
Enrico Petters als"Drache" und Berndt Stichler als Drachentöter Lanzelot. Voller schöner Bilder für das an sich so Unschöne, nämlich die Unterjochung eines Gemeinwesens.
...
Interessant ist, wie der Drachentöter den Umsturz bewerkstelligt. Bevor er sein Schwert zückt, macht er sich per Tarnkappe vorsichtshalber unsichtbar. Das erinnert ans eingangs zitierte Märchenland. Auch da waren die Umstürzler fast immer unsichtbar. Und auch da war der Drache dann mal ganz plötzlich tot.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen